Auto steuert in Menschenmenge: Polizei nimmt drei Verdächtige fest
Stand: 27.10.2026 • 11:14 Uhr
Nachdem in Neustadt am Rübenberge ein Auto in eine Gruppe von Menschen gefahren ist, hat die Polizei drei Personen festgenommen. Bei dem Angriff wurden mehrere Menschen verletzt.
Beamte hätten die drei Personen an der Anschrift des Halters des mutmaßlichen Tatfahrzeugs angetroffen und vorläufig festgenommen, teilte die Polizei mit. "Inwieweit die Personen in direktem Zusammenhang mit der Tat stehen, ist aktuell noch Teil der laufenden Ermittlungen", hieß es. Den Tatort sperrte die Polizei nach dem Vorfall ab, um Spuren zu sichern. Aktuell sind noch die Herzog-Erich-Allee bis Hannoversche Straße zwischen dem Ludwig-Enneccerus-Platz und Am Schützenplatz in beiden Richtungen gesperrt. Das mutmaßliche Tatfahrzeug, der blaue BMW, stand am Dienstagvormittag noch am Tatort.
Beteiligte polizeibekannt wegen Clankriminalitiät
Die Polizei geht bei der Tat nicht von einem Anschlag aus. Erkenntnissen zufolge kennen sich die Beteiligten untereinander. "Die Tatbeteiligten gehören Großfamilien an, die in Teilen bereits im Zusammenhang mit Clankriminalität polizeilich in Erscheinung getreten sind", teilte sie mit. Eine Gefahr für Bürgerinnen und Bürger bestand demnach nicht. Der Fahrer attackierte die Gruppe nach Angaben der Polizei gezielt. Der oder die mutmaßlichen Täter hätten sich die Menschengruppe gezielt ausgesucht, sagte eine Polizeisprecherin. Es werde nun wegen eines versuchten Tötungsdeliktes ermittelt, hieß es.
Clankriminalität - ein umstrittener Begriff
Immer wieder berichtet die Polizei von Ermittlungen gegen sogenannte Clankriminalität. Nach der Definition des niedersächsischen Innenministeriums ist ein Clan eine durch verwandtschaftliche Beziehungen und eine gemeinsame ethnische Herkunft verbundene kriminelle Gruppe. Genau diese Definition ruft aber vielfach Kritik hervor. Thomas Müller etwa hat bei der Polizei Bremen im Bereich gegen Organisierte Kriminalität ermittelt und parallel Kriminologie studiert. Er bemängelt, dass die Polizei mit dem Begriff Clankriminalität eine Schablone für Menschen anlege, die sehr unterschiedlich sind. Sie würden als Einheit definiert, weil man sie einer Familienstruktur zuordnet und weil sie einen gewissen Nachnamen haben. "Man muss sich das mal vorstellen: Wenn man alle Müllers als potenziell kriminell ansieht und sie ständig überprüft, dann macht das etwas mit dem Bild, das Polizei und Gesellschaft von allen haben, die Müller heißen." Kritiker schlagen vor, stattdessen die Begriffe "organisierte Kriminalität" oder "kriminelle Bande" zu nutzen.
Mindestens fünf Verletzte in Krankenhäusern
Durch das Fahrzeug wurden nach Angaben der Polizei "mindestens fünf Menschen verletzt", die sich auf einer Straße aufgehalten haben sollen. Zuvor war von vier bis fünf Verletzten die Rede gewesen. Sie hätten nach Angaben einer Polizeisprecherin sowohl leichte als auch schwere Verletzungen erlitten, schwebten aber nicht in Lebensgefahr. Sie wurden in Krankenhäuser gebracht und werden dort weiter behandelt, hieß es am Dienstagmorgen.
Neustadt am Rübenberge: Polizisten schießen auf das Auto
Das Auto fuhr nach Angaben der Polizei gegen 23.30 Uhr auf der Mecklenhorster Straße in die kleine Menschengruppe - in unmittelbarer Nähe einer allgemeinen Verkehrskontrolle. Um das Auto zu stoppen, schossen Polizisten auf den Wagen. Der oder die Verdächtigen ließen das Auto laut Polizei zurück und flüchteten offenbar zu Fuß. Bei dem Wagen handelt es sich demnach um einen BMW. Die Fahndung - unter anderem mit einem Hubschrauber und einem Polizeihund - war zunächst erfolglos verlaufen. Die Polizei war mit vielen und teils schwer bewaffneten Kräften vor Ort. Mit wie vielen Personen der BMW besetzt war, ist laut Polizei noch unklar. Mehrere Tatverdächtige sollen anschließend vom Tatort geflüchtet sein.
Bei diesem Wagen soll es sich um den zurückgelassenen BMW handeln.
Mercedes mit kaputter Heckscheibe
Auf Videomaterial vom Tatort sind mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten zu sehen. Der blaue BMW, das mutmaßliche Tatfahrzeug, hat einen platten vorderen Reifen. Ein zweiter Wagen steht am Straßenrand - ein silberner Mercedes mit kaputter Heckscheibe. Ob und wie das Auto an dem Vorfall beteiligt war, ist bisher unklar. Die Ermittlungen zum genauen Tathergang, zu den Hintergründen der Tat und zur Identität der Tatverdächtigen dauerten an, hieß es am Dienstagvormittag von der Polizei. Sie bittet Zeugen unter der Telefonnummer (0511) 109 55 55 um Hinweise.
