Ripple hat nach eigenen Angaben die finale OCC-Genehmigung für die Ripple National Trust Bank erhalten. Die neue Bank verwaltet künftig die Reserven des Stablecoins RLUSD, die somit zusätzlich unter Bundesaufsicht stehen.
Das Office of the Comptroller of the Currency (OCC) ist die US-Bundesbehörde, die nationale Banken und Trust-Banken zulässt und beaufsichtigt. Eine nationale Trust-Charter erlaubt Treuhandgeschäft und Verwahrung, jedoch weder Einlagengeschäft noch Kreditvergabe. Ripple entwickelt Zahlungs- und Krypto-Infrastruktur für Institutionen und steht hinter RLUSD, einem an den US-Dollar gekoppelten Stablecoin. Der Token kam im Dezember 2024 auf den Markt. Emittent ist die Standard Custody & Trust Company, eine von der New Yorker Finanzaufsicht NYDFS regulierte Trust-Gesellschaft. Den Antrag auf die Bundescharter stellte Ripple im Juli 2025, im Dezember 2025 folgte zunächst eine bedingte Zusage. Gemäss Ripple liegt die Marktkapitalisierung von RLUSD inzwischen bei rund 2.5 Mrd. USD. Das Unternehmen nutzt den Stablecoin im eigenen Zahlungsverkehr und ausserdem als Collateral bei Ripple Prime. Einen Eröffnungstermin für die Bank nennt Ripple bisher nicht.
Was die Ripple National Trust Bank künftig darf
Ende Oktober 2026 gab Ripple die finale Zulassung bekannt. CEO Brad Garlinghouse verkündete sie ebenfalls auf X. Die Ripple National Trust Bank, kurz RNTB, übernimmt künftig die Verwaltung der segregierten RLUSD-Reserven. Diese Mittel liegen getrennt vom übrigen Vermögen und dienen der Deckung des Stablecoins. Ferner handelt RNTB als Collateral Trustee, das heisst als Treuhänderin der Reserven zugunsten der RLUSD-Halter. Nach der Eröffnung soll die Bank zudem digitale Assets treuhänderisch verwahren, im Englischen als Fiduciary Custody bezeichnet. Diese Funktion ist nicht an RLUSD gebunden und umfasst digitale Assets generell.
Die Ausgabe von RLUSD verbleibt hingegen bei der Standard Custody & Trust Company (SCTC), Ripples Limited-Purpose-Trust-Company in New York. RNTB emittiert den Stablecoin folglich nicht selbst. Ripple trennt so die Ausgabe des Tokens organisatorisch von der Verwaltung seiner Reserven. Gleichzeitig setzt die Charter enge Grenzen. Einlagen und Kredite bleiben wie bei jeder nationalen Trust-Bank ausgeschlossen. Mit einer Vollbanklizenz ist die Genehmigung deshalb nicht gleichzusetzen. Das Mandat beschränkt sich auf Treuhand und Verwahrung, unterliegt dort allerdings der Bundesaufsicht.
RLUSD steht künftig unter doppelter Aufsicht
Bisher unterstand RLUSD der Aufsicht des Bundesstaats New York. Zuständig ist dort die NYDFS, die als Finanzaufsicht des Bundesstaats unter anderem Trust-Gesellschaften reguliert. Mit der nationalen Charter kommt nun die Bundesaufsicht des OCC hinzu, die das Reservemanagement und die Verwahrung erfasst. Den Emittenten SCTC beaufsichtigt die NYDFS weiterhin. Somit prüfen künftig zwei Aufseher unterschiedliche Teile derselben Struktur.
Gedeckt ist RLUSD durch US-Dollar-Einlagen, US-Staatsanleihen und andere cashnahe Mittel. Den Grossteil der Reserven hält die Bank BNY. Monatlich veröffentlicht Ripple ausserdem Attestierungen unabhängiger Dritter zu Umlauf und Reserven. Eine Einlagensicherung durch die FDIC folgt aus der Charter allerdings nicht. Denn Trust-Banken nehmen keine Einlagen an. Für Halter bringt die Charter zusätzliche Kontrolle über Reserven und Verwahrung, jedoch keine staatliche Garantie.
Ripple will weiterhin mit dem OCC, der NYDFS und anderen Behörden zusammenarbeiten, während RNTB den Betrieb aufnimmt. Parallel setzen die USA den GENIUS Act um, das Bundesgesetz für Stablecoins. Die Bundescharter fällt in eine Phase, in der Washington die Regeln für Emittenten erst festlegt. Garlinghouse sieht in der Charter eine Grundlage für das institutionelle Geschäft des Konzerns.
"Seit Jahren sagen wir, dass Krypto und Banken besser zusammenarbeiten. Die finale Genehmigung für die Ripple National Trust Bank zeigt, wie das in der Praxis aussieht. Wir haben über ein Jahrzehnt regulierte Finanzinfrastruktur aufgebaut, die Institutionen im grossen Massstab nutzen können. Eine nationale Trust-Charter gibt uns eine noch stärkere Grundlage für RLUSD und die institutionellen Produkte, die wir in Zahlungen, Verwahrung und Kapitalmärkten aufbauen." - Brad Garlinghouse, CEO, Ripple
Ripple folgt Circle in die Bundesaufsicht
Das Verfahren lief in zwei Stufen ab. Im Dezember 2025 genehmigte das OCC bedingt gleich fünf Charter-Anträge: Circle, Ripple, BitGo, Fidelity Digital Assets und Paxos. Mit Fidelity Digital Assets war darunter auch die Kryptotochter eines etablierten Vermögensverwalters. Ripple erhielt die bedingte Zusage rund fünf Monate nach dem Antrag vom Juli 2025. Bis zur finalen Genehmigung vergingen schliesslich weitere 10.5 Monate. Insgesamt dauerte der Weg zur Charter knapp 16 Monate.
Circle kam vergleichsweise schneller ans Ziel. Der USDC-Emittent erhielt die finale Genehmigung für seine First National Digital Currency Bank bereits im Juli 2026, gut drei Monate vor Ripple. Seither stehen die USDC-Reserven unter Bundesaufsicht. BitGo meldet inzwischen ebenfalls eine finale Zulassung, nachdem die Firma im Dezember 2025 wie Ripple eine bedingte Zusage erhalten hatte. Später kamen weitere Bewerber hinzu: Coinbase, Crypto.com und World Liberty Financial erhielten 2026 jeweils bedingte Genehmigungen.
Damit verfügt nach Circle nun auch Ripple über eine finale nationale Trust-Charter. Bei beiden beaufsichtigt das OCC folglich die Reserven der jeweiligen Dollar-Stablecoins. Emittentin ist die Ripple National Trust Bank dabei nicht, RLUSD gibt weiterhin die New Yorker SCTC unter NYDFS-Aufsicht heraus. Ob weitere Stablecoin-Emittenten folgen, hängt letztlich von den laufenden Verfahren der übrigen Antragsteller ab.
Warren und die Digital Chamber streiten über die Charters
Politisch bleiben die nationalen Trust-Charters umstritten. Senatorin Elizabeth Warren kritisiert die Welle von OCC-Zulassungen an Kryptofirmen als Verstoss gegen den National Bank Act. Das Bundesgesetz regelt in den USA die Zulassung nationaler Banken. Hinzu kämen Risiken für das Finanzsystem, argumentiert die Demokratin. Ihre Kritik zielt damit auf die Zulassungspraxis der Behörde.
Die Digital Chamber, ein Branchenverband der Krypto-Industrie, widerspricht. Trust-Charters seien auf Treuhand- und treuhandnahe Tätigkeiten begrenzt, und die Firmen unterstellten sich freiwillig der Bundesaufsicht. Unabhängig von dieser Debatte darf die RNTB als Trust-Bank weder Einlagen annehmen noch Kredite vergeben. Mit der Charter akzeptiert Ripple zudem eine zweite Aufsichtsebene, die für die Emission von RLUSD in New York nicht erforderlich war. Offen bleibt hingegen vorerst der Starttermin der Bank. Ebenso läuft die Umsetzung des GENIUS Act noch, die den Rahmen für Stablecoin-Emittenten auf Bundesebene setzt.
